Hohlspiegel der Mode
Als ich im Januar 2014 nach der Fashion Week am Berliner Flughafen auf meinen Rückflug nach München wartete, musste ich herzlich über die Titelseite der Zeitung "Der Tagesspiegel“ lachen.
Fast die richtige Saison besprochen. #oops #tagesspiegel #mbfwb #fashionweek #presse
Ein von @isabelle_braun gepostetes Foto am
BZ, am 10. Juli 2015
Dass in der Bildunterschrift rechts nicht erwähnt wird, dass das "Model im Maxikleid bei der Fashion Show" unser deutscher Exportschlager Franzi Müller ist - Schwamm drüber. Ämusanter finde ich den Absatz über gekaufte Promis und Eva Herzigová. Bestimmt sind sie und Elle MacPherson nach Berlin angereist, weil sich die internationalen Topmodels richtig doll gefreut haben, auch mal in der Front Row zu sitzen und nicht, weil Modelabel Marc Cain viel Budget hat. Denn bei Chanel kann man ja mittlerweile nur noch "müde gähnen", wie wir ebenfalls im Text erfahren. 
Die Welt Kompakt, am 10. Juli 2015
Bobby Kolade feiert also eine Techno-Party, die gleichzeitig "ähnlich zurückhaltend ästhetisch" sei, wie die Kollektion von Shooting-Star Nobi Talai, von deren Talent alle während der Modewoche schwärmten. Oder meint die Redakteurin, dass es misslungen aussah? Das wäre allerdings ebenso falsch, wie der Vergleich. Schade ist auch, dass wir im Artikel über Guido Maria Kretschmer nur erfahren, dass er die "längste Show seiner Karriere" hatte. Was das nun in Minuten heißt, verrät man uns nicht. Oder meinen die Autoren die gefühlte Länge? 
Der Tagesspiegel, am 10. Juli 2015
Hier versucht man dem Leser heimtückisch durch unnötig komplizierte Beschreibungen abzuschrecken.
Letztes Jahr entdeckte ich in der BZ dieses Schmankerl.
Ein von @isabelle_braun gepostetes Foto am
Ich schrieb in dem Instagram-Post bewusst "verschätzt", denn nur so kann ich mir den Fehler erklären. Es wäre nicht einmal viel Recherche-Arbeit für die richtigen Informationen nötig gewesen, denn bei der Show von Marina Hoermanseder gab es einen ausführlichen Pressetext, in dem eben auch erwähnt wird, dass das orthopädische Stützkorsett aus dem 17. Jahrhundert stammt.
Vielleicht ist die Modeberichterstattung in der Tagespresse ein Spiegelbild des Verhältnisses der Deutschen zur Mode, das ja bekanntermaßen nicht das beste ist? Melissa Drier, die Berliner Korrespondentin der WWD, bekräftige diesen Zustand diese Woche gegenüber der Süddeutschen Zeitung.
Macht es richtig oder lasst es bleiben
Die SZ gehört übrigens, ebenso wie die FAZ und Die Zeit, zu den Zeitungen, die die Modeberichterstattung nicht irgendeinem Redakteur auf den Tisch knallen, der weder Lust noch Ahnung hat. Erklärt dem Leser fundiert und verständlich die Modewelt oder lasst es bleiben – das sollte allerdings für alle Themengebiete gelten!
Photo Credit: Isabelle Braun für Modepilot

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