#Girlboss dankt ab
Isabelle Braun

#Girlboss dankt ab

Sophia Amoruso ist für unzählige junge Frauen ein Vorbild. Aus einem gut laufenden Ebay-Shop für Vintagemode hat sie mit nur 22 Jahren 2006 den Onlineshop Nasty Gal entwickelt. Das Unternehmen galt zwischenzeitlich mit einem Umsatz von 130 Millionen US-Dollar als am schnellsten wachsendes E-Commerce Business. Nun hat das Unternehmen Insolvenz angemeldet, wie Amoruso am Freitag unter Tränen bei der "Business Chicks"-Konferenz in Sidney bestätigte. Sie wird als Vorstandsvorsitzende abtreten.

Die Erfolgsgeschichte von Nasty Gal

Mit dem Sortiment bediente Amoruso zum Start sehr erfolgreich die „Tumblr“-Girls, wie ich die Zielgruppe nenne, die in zerissenen Jeansshorts, Lederjacke und Jeffrey Campell-Boots schmollmundig ihre hüftlangen Haare in einen Bloggerdutt (dieser Knödel auf dem Kopf) knäulten und sich in weißen Bettlaken nachdenklich räkelten und unter ihre Bilder tiefschürfende Gedanken wie „Choose your own adventure“ tippten. Der Stil hat sich mit den entsprechenden Vorbildern angepasst, heute bestellen dort vermutlich Frauen, deren Stil-Ikonen die Kardashian-Schwestern sind: Sporty meets sexy, ein bisschen verrucht und manchmal rockig.

"Ich will aussehen wie Kylie Jenner"-Look von Nasty Gal"Ich will aussehen wie Kim Kardashian"-Look von Nasty Gal"Ich will aussehen wie Kendall Jenner"-Look von Nasty Gal

Sophia Amoruso trifft mit der Mode weltweit einen Nerv, hat sich parallel selbst zur Marke gemacht und als unabhängige, unternehmerisch erfolgreiche Powerfrau positioniert: Die New York Times nannte sie „Cinderella of Tech“ und ihr Buch „#GirlBoss: How To Write Your Own Rules While Turning Heads and Turning Profits", wurde zur Blogger/Influencer/IrgendwasmitMedien-Bibel. Es folgten zwei stationäre Läden. Index Ventures, eine Kapitalgesellschaft mit Anteilen an Unternehmen wie Dropbox, Facebook oder Asos, investierte 50 Millionen US-Dollar im Jahre 2015 und im Juni dieses Jahres schaffte sie es auf die Forbes-Liste "Amerikas reichste Selfmade-Frauen“, als Zweitjüngste hinter Taylor Swift!

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Die Bibel für weibliche Millenials mit Karrierambitionen

Trotz dieser Erfolgsmeldungen war schon länger ein Kratzer im Lack. Immer wieder gab es Vorwürfe wegen dreister Designerkopien und unglücklicher Aktionen, wie dieser: Via Instagram wurde stolz verkündet, Taylor Swift trage Nasty Gal. Leider war es das Original von Balmain, der Instagram-Post wurde nach einem Shit-Storm gelöscht.

Das Original: BalmainDie Balmain-Kopie von Nasty GalTaylor swift nasty gal

Mehrere Mitarbeiter verklagten das Unternehmen, weil sie wegen Schwangerschaften gekündigt wurden (Das Gerichtsurteil steht noch aus) und bereits im Februar 2016 wurden knapp 10 % der über 300 Mitarbeiter entlassen.

Wird Nasty Gal jetzt eingestampft?

Konkret wurde in Kalifornien ein "Chapter 11 bankruptcy "-Verfahren beantragt, weil es aktuell Liquiditätsschwierigkeiten gibt (Tech crunch hat mehr Details).  Das heißt diplomatisch ausgedrückt: Gesundschrumpfen, also mit Hilfe eines Insolvenzverwalters Kosten reduzieren und Abläufe neu strukturieren. Der Online-Shop wird weiter betrieben in der Hoffnung, dass man danach wieder profitabel wird und weitere Investoren aquiriert werden können. Schlechtes Timing: Vergangenen Monat veröffentlichte Amoruso ihr zweites Buch „Nasty Galaxy“ und 2017 soll(te?) auf Netflix die Serie „Girlboss“ starten, die von Sophia Amoruso inspiriert ist. Diese soll wohl als Komödie angelegt sein. Galgenhumor ist jetzt auch das Einzige, das hilft.

Aber: Eine Niederlage muss nicht das Ende einer außergewöhnlichen Karriere sein. Das beweist kaum jemand besser als Tesla-Ceo Elon Musk. Die Achterbahnfahrt seine Karriere ist in dieser Grafik (>>>Meet real life Iron man) sehr schön zusammengestellt. Die Fans von Sophia Amoruso würden ihr jetzt vermutlich raten: Hinfallen, Aufstehen, Krone richten, weiter geht es.

Photo Credit: NastyGal, Instagram/girlboss, Catwalkpictures, Gilrboss.com

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