Der Mann fürs Knopfloch
"Da gibt es nur Einen, der Ihnen noch weiterhelfen kann: Josef Demmel." Das hört man in München oft, wenn man eines der guten Näh-Ateliers aufsucht, um ein geliebtes Kleidungsstück zu retten. Wenn hier keiner mehr weiter weiß, wird zu Josef Demmel verwiesen. Er ist mit seiner Knopflochnäherei der Spezialist für die Stellen, an denen andere nur noch blöd durchgucken können: für die Löcher.
Und, weil er oft die letzte Hoffnung ist, kann er sich altmodische Öffnungszeiten (bis 12 Uhr und dann nachmittags wieder) leisten und hat gut lachen: "Was ist denn heute los? Haben die Frauen Ausgang?" Vor seinem winzigen Atelier warten jetzt zwei Leute drinnen, drei Leute draußen. Ab und zu traut sich einer, den Kopf reinzustecken und nach seinen Knöpfen zu fragen. "Ach, die bunten Knöpfe, richtig? In welcher Größe brauchst Du sie noch mal?" fragt Herr Demmel und kümmert sich währenddessen um meine Diane von Fürstenberg-Bluse. "Ja, die bunten und auch die roten Knöpfe, beide in 24 Bombe (was eine gewölbte Form bezeichnet)," sagt der Kunde. Nachmittags solle der Kunde wiederkommen, dann seien sie fertig. Doch der Kunde kommt lieber morgen wieder, sicher ist sicher.
Für die rausgerissenen, goldfarbenen Druckknöpfe meiner Seidenbluse findet er dann die richtigen Ersatzteile. Nur die Löcher müsse er noch schnell stopfen. Er verschwindet in seiner Nähstube und ruft rüber: "Ist die Fürstenberg eine Newcomerin?" Nein, antworte ich, sie macht eigentlich in Wickelkleider. Da gab es vielleicht noch nicht so viele Anknüpfungspunkte..."
Ein paar Minuten später ist mein Härtefall wieder eine tragbare Bluse. Ich bin glücklich und bekomme noch ein Andenken mit:
Fotos: modepilot/modejournalistin




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