Bügeln?! Ich?!
Kathrin Bierling

Bügeln?! Ich?!

Ausgerechnet ich schreibe einen Post übers Bügeln. Was ist passiert? Die Tante Modepilot hat zum ersten Mal richtiges Equipment in der Hand. Schlimm, dass es so lange dauern musste – dass ich spät dran war, wurde mir beim Lesen der Broschüre bewusst: „Vielen Dank, dass Sie sich für den Kauf eines Laurastar entschieden haben. Mit dieser Entscheidung gehören Sie zum Kreis von Personen, die ihrer Kleidung eine große Bedeutung beimessen."

Bügelhilfe von Laurastar im Test

Das Profi-Gerät von Laurastar für Stylistinnen und diejenigen, „die ihrer Kleidung eine große Bedeutung beimessen", heißt Lift+. Man beachte das Plus, es macht das „Lift"-Modell um circa 150 Euro teurer, verfügt über einen pfft-pfft-Impulsdampf, einen automatischen Kabelaufroller und einen LED-beleuchtenden Wassertank. Wer ebenfalls zu den Bügelmuffels zählt und überdurchschnittlich viel Geld für ein Bügeleisen ausgeben kann/möchte, der sollte auch in die Warmwasserbeleuchtung investieren. Das gibt der ganzen Veranstaltung etwas Zukunftsweisendes.

Das „Lift"-Modell (ab April 2013) ist das erste handliche Gerät des Bügelsystem-Anbieters Laurastar aus der Schweiz. Ihren Namen verdankt die Marke einer vergangenen Zusammenarbeit mit der Modemarke Laura Biagiotti.

Bislang hielt ich Bügeln nicht für meine Aufgabe: das Aufstellen des Bügelbretts, das Warten aufs erhitzte Bügeleisen, das Rumstehen des abkühlenden Bügeleisens, das dilettantisch aussehende Ergebnis. Nein, meine mangelnde Geduld steht einem erfolgreichen Bügelerlebnis im Weg. Bislang zumindest. Und 499 Euro hätte ich niemals in ein Bügeleisen investiert! (Wobei man 499 Euro in München auch ratzfatz bei der Reinigung lassen kann.) Ich bekam das gute Stück in meiner Funktion als Modepilotin in der Hoffnung, dass es mich begeistern könnte. Den großzügigen Gebern sagte ich vorab, dass die Chancen schlecht stünden...

So stand der Luxus-Trolley unter den Bügelstationen also in seinem Karton tagelang in meinem Flur herum und lächelte mich lediglich als Ablege-Möglichkeit für Altpapier an. Erst heute hatte ich die Muße, mich um meine neue Alaïa-Bluse, das Ostergeschenk einer lieben Freundin, zu kümmern, und das Bügeldings auszupacken. Die Bluse knittert nämlich stark, wenn sie kleingefaltet mit der Post kommt.

Während eines langen Telefonats packe ich die Haushaltshilfe aus, stecke die Filterkartusche in den Wasserbehälter, fülle diesen entsprechend mit Leitungswasser (allein auf destilliertes Wasser verzichten zu können, ist schon ein Pluspunkt!), schließe das Gerät ein (LED, yeah!). Ich lege mich auf die Couch und telefoniere weiter. Bügeln hat immer so eine Was-könnte-ich-sonst-noch-tun-Austrahlung auf mich. Nach dem Telefonat ist das Gerät aus.

Ich lerne: Laurastar Lift schaltet sich nach 10 Minuten automatisch ab. Ich drücke also wieder auf den Knopf, ein paar Sekunden später ist es einsatzbereit. Dann halte ich den Kleiderbügel hoch, an dem das zerknitterte Kunstwerk aus weißer Baumwolle hängt, und bekomme Freude: pfft, pfft, pfft und der Knitterlook verwandelt sich in einen gesteiften Hemdblusen-Traum. Ich bin ein Genie! Jetzt suche ich nach weiteren, faltigen Objekten in meinem Kleiderschrank... Boah, macht das Spaß!

Photo Credit: Modepilot, Laurastar

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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