Mit Roland Mouret in den Sommer 2015
Kathrin Bierling

Mit Roland Mouret in den Sommer 2015

Heute hatte ich ihn, meinen Modemoment. Das ist der Zeitpunkt während einer Modewoche, in dem mir klar wird, warum ich in der Mode und für die Mode arbeite. Diesen Moment verdanke ich Roland Mouret, der heute um 10 Uhr in der Staatlichen Hochschule der Schönen Künste Paris zeigte. Designer mit dem Format eines Roland Mourets schneidern nicht für Modejournalisten oder das eigene Ego (Bsp. Marc Jacobs), sondern für ihre Schneiderkunst-wertschätzende und modisch selbstbewusste Kundin. Für diese Kundin ist eine bestimmte Naht am Kleid wichtiger als ein lautes Statussymbol. Sie weiß, dass diese Naht den Unterschied zwischen weiblicher Figur und Lady macht – darum geht es in der High Fashion, nicht um Plastik-Trash à la Moschino.

Bei Mouret stimmen Idee und Umsetzung. Kleider sitzen, wie um den Leib geschneidert und sie sind so raffiniert geschnitten, dass ein Verkaufspreis von 2000 Euro zu verstehen ist.

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Seine klassischen Viskose-Stretch-Silhouette ergänzt Mouret für den nächsten Sommer mit etwas sportlicher anmutenden Kleidern – die Kollektion entstand in "gespannter Erwartung" auf den neuen Store in New Yorks Madison Avenue (ab 14. November 2014), so ist es dem Text zu entnehmen, der auf unseren Sitzplätzen heute lag. Manches Kleid (siehe oben) stattet er mit Streifen aus Baumwoll-Mesh aus, die er in hinten weit abstehende Rockteilen patchworked oder auf und unter seinen Bleistift-Kleider vernäht. Struktur liefert auch Waffel-Piqué – ebenfalls Baumwolle.

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Was in den Schokolinsen-Fürst-Pückler-zarteste Versuchung-Pastellfarbenkitsch abzurutschen droht, wird von schwarzen Riemen, Krägen und Veloursledergürteln gehalten. Weht auf Taillenhöhe links und rechts eine kontrastierende Pastellfarbe, so ist im Rücken ein Tuch mit Lilien-Motiv angenäht – etwas gewöhnungsbedürftig, dieses kleine Lady-Cape, aber nicht so albern, wie es klingen mag. Auf Mourets Fingerspitzengefühl ist Verlass. Nur Barbara findet es komisch.

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Die großen Blüten – Mouret zeigt auch Hibiskus-Blüten als Laser-cut in Baumwoll-Mesh-Kleidern und Playsuits – erinnern in ihrer Dimension und mit ihren Netz-Blütenblättern an die Kollektion von Kaviar Gauche gestern Abend – kein schlechtes Zeichen für die beiden Designerinnen Alexandra Fischer-Roehler and Johanna Kühl aus Berlin. Schließlich legen auch sie großen Wert auf Handwerk, Feminität und Eleganz – alles, wofür der französische Designer steht. Ach, und die jüngeren Outfits der beiden Labels wurden mit Saumfransen bedacht (ganz unten).

Kaviar Gauche Roland Mouret Summer 2015 Sommer Blumen Trends Modepilot
Kaviar Gauche (l.), Roland Mouret (r.)
Kaviar Gauche Roland Mouret Blüten Sommertrends 2015 Paris Modepilot
Kaviar Gauche (l.), Roland Mouret (r.)
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Kaviar Gauche (l.), Roland Mouret (r.)

Fotos: Catwalkpictures

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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