Rettungsfolien Mode
Es mag makaber klingen, aber Rettungsfolien scheinen aktuell eine der Inspirationsquellen für Modedesigner zu sein. Wir finden Mäntel wie aus Alufolie im Onlineshop, die schon ausverkauft sind und sehen stark glänzende, wild drapierte Wickelröcke in Gold – für den kommenden Sommer gibt es noch mehr der Art! Künstler verarbeiten das Thema, bzw. das Material (Rettungsfolie) schon länger, auch weil es schlicht günstiger als Blattgold ist, wie der Frankfurter Künstler Daniel Milohnic über seine Skulptur "Sleeping Buddha" schrieb. Den Bezug zur Anwendung sah man 2005 in der Ausstellung "Barmherzigkeit", für die der an der Münchner Akademie ausgebildete Künstler Alois Achatz einen Mantel aus Rettungsfolie schneiderte. 2008 kreierte Andreas Kaiser eine sich aufblähende Schweiz ("Schweizer Glück") aus Rettungsfolie. 2013 entstand das "Anti Drone Tent" von Künstlerin Sarah van Sonsbeeck aus Rettungsfolien, das vor Infrarot-Detektion und damit vor Wärmebildkamera-Drohnen schützen soll.

So eine Rettungsfolie, auch Rettungsdecke genannt, ist auf der einen Seite silber-, auf der anderen Seite goldfarben. Goldfarben, weil eine reißfeste, gelbe Polyester-Kunststoffschicht durch eine dünne Aluminiumschicht (Silber) schimmert. Sie dient zur Stabilisierung der sonst zu fragilen Aluminiumschicht, die es zur Wärmereflektion braucht. Um eine Person vor Kälte zu schützen, sollte die silberne, Körperwärme-reflektierende Schicht nach innen zeigen. Bei Schutz vor Sonne zeigt die Silberschicht am besten nach außen. So viel zur Handhabung im Extremfall. Die Designer handhaben das freier. Auch die Stylisten und Photografen...
Am 6. Juni 2015 haben Portrait- und Modefotograf Franco Tettamanti und Stylistin Kate "K8" McKay ein Model in der nordamerikanischen Mojave-Wüste inszeniert. Von den Designern brauchten sie nicht viel: Badeanzüge, Sneaker, Sonnenbrille. Das Keypiece ist eine Rettungsfolie aus einem Supermarkt in Los Angeles.








Rettungsfolien-Mode
Auf den Laufstegen und auch bereits schon in den Onlineshops sehen wir zahlreiche Allover-looks in Gold und Silber – gern in Folienoptik – und ich frage mich, wie dieser Trend in den Alltag zu integrieren ist. Kollegin Katrin Riebartsch, Ex-Chefredakteurin der Madame, die am Freitag in einer silberfarbenen Jeans zu unserer Teestunde kam, sagt: "Ich trage ja schon immer Silber. Der Trend wird sich aber vor allem in Accessoires zeigen." Ich empfehle an dieser Stelle die goldfarbene Bucket-bag von Tom Ford (siehe im Video unten). Für alle, die sich gern in Gold und Silber hüllen, nun die Vorschläge der Designer und ein Tipp: hast du einen warmen Hautton (bei egal welche Haarfarbe, außer Gelbblond vielleicht), so wähle lieber Gold wie beim Schmuck. Kühle Blonde, Brünette, Schwarzhaarige und Rotschöpfe sind mit Silber besser beraten.

Was für die Mode in Silber und Gold spricht: Da wäre die neu aufkommende Disco-Ära, die nicht zuletzt auch durch Tom Fords Schauen/Musikvideo für Sommer 2016 noch einmal an Fahrt gewinnt. Die Discokugel-Ohrringe von Prada für Winter 2015 und noch krasser für Sommer 2016, der Balmain/H&M-Hype und die Sommermode 2016 von Isabel Marant, Genny, Paco Rabanne, u.v.m. Und Clubs, die sich jetzt wieder "Disco" nennen wie z.B. die neu eröffnete Helene Disco von Florian Gleibs in München.

Sommermode 2016













Gold und Silber im Onlineshop
Photo Credit: & Other Stories, Catwalkpictures
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