Ein Plädoyer für Merinowolle
Alle reden von Cashmere. Cashmere ist toll, keine Frage. Aber noch mehr Freude habe ich mit Merinowolle!
Warum? Die feine und weiche Wolle des Merinoschafes ist besonders atmungsaktiv, weshalb sie gern für Sport- und Outdoormode verwendet wird, also z.B. für Longsleeves, Unterwäsche und lange Unterhosen zum Wandern und Skifahren. In Merinowolle schwitze ich – gefühlt – nicht (in Cashmere aber sehr wohl). Außerdem hat man bei der fein gestrickten oder gewirkten Merinowäsche – anders als bei Cashmere-Ware – nicht immer wieder diese Wollknötchen auf der Oberfläche ("Pilling"), die man mühsam und langwierig mit einem Cashmere-Kamm entfernen muss.
Während ich bei meinen alten Merinosachen eher nach Mini-Pillings suchen muss, würden meine Cashmere-Stücke geradezu schon Dreadlocks besitzen, wenn ich sie nicht regelmäßig entpillen würde. Das liegt sicherlich an den Faserlängen und wie fest diese verzwirnt sind. Aber ich habe auch fluffige, günstige Merinoware, die nicht pillt (Tipp nachstehend), und teuerste Cashmere-Ware, die Haare lässt wie ein Golden Retriever im Frühling.
Merinowolle ist mein Lieblingsmaterial! Noch vor Seide und Cashmere. Merino fühlt sich aber für mich in allen Situationen am angenehmsten an und ist das pflegeleichteste Material – verglichen mit Seide und Cashmere. Besonders diese Longsleeves aus 100 Prozent Merinowolle kann ich empfehlen von COS >>>







In dieser Herbst/Wintersaison gibt es sie in Schwarz, Dunkelblau, leuchtend Blau, Grün und Kirschrot. Das Kirschrote steht auf meiner Shoppingliste ganz oben. Ich habe noch ein Schwarzes vom letzten Jahr und ein Dunkelgraues von vor drei Jahren (als die Ärmel noch keine Daumenlöcher hatten). Ich trage sie ständig und wasche sie bei 40 Grad in der Maschine (empfohlen sind 30 Grad). Diese Longsleeves sind vielleicht die schlaueste Anschaffung für die kalten Monate: Man möchte sie ständig als Top tragen oder unter einem Cardigan oder auch zum Schlafen!
Was ebenso eine Überlegung wert sein kann, sind Cardigans aus Merinowolle. Sie sehen hochwertiger aus als jene aus Baumwolle und sehen länger edel aus als jene aus Cashmere, weil sie eben nicht so stark pillen. Aktuell hat Zara welche in Schwarz, Dunkelblau und Grau >>> Allerdings sind die meisten Größen schon wieder ausverkauft und ich kann keinen Langzeittest vorweisen. Vielleicht lieber auf Gütesiegel achten? Nach der Bildergalerie von Zara folgt Barbaras persönlicher Tipp.






Noch sehr viel größer ist die Auswahl an Merino-Cardigans bei Uniqlo >>> Hier findet man auch immer wieder mal Waren mit dem Woolmark-Gütesiegel, das für beste Rohstoffqualität steht. Barbara weiß aus Erfahrung: Zwischen den 08/15-Merino-Produkten und jenen mit dem Gütesiegel liegen Welten! Das Material ist glatter und pillt damit weniger, die oberflächige Anmutung wirkt regelmäßiger und damit edler.
Doch auch ein Produkt aus Merinowolle ist nicht völlig vor dem Pilling gefeit – vor allem wenn es sich um dickere Strickjacken handelt, die einem Scheuern (z.B. an den Ellbogen) ausgesetzt sind.
Fürs allerbeste Gefühl (auf der Haut und fürs Gewissen): Bio-Merinowolle! Dafür schaut man am besten in den Onlineshop von Hessnatur >>> (auch fürs Baby). Die Marke macht sämtliche Produktionswege und Arbeitsbedingungen transparent. Was gerade bei Merinowolle nicht unerheblich ist. Türschützer machen darauf aufmerksam, dass Merinoschafe in Australien nicht immer tiergerecht gehalten werden. Aus Australien beziehen wir die meiste Merinowolle. Die bei Hessnatur stammt aus Südamerika. Aktuell gibt es dort aus reiner Bio-Merinowolle: Rippenstrick-Kleider (in Anthrazit und Schwarz), ein Feinstrickkleid mit geknöpftem Seidenrock, verschiedene Pullover, Socken, Jacken mit Zipper und Jacken, die man sowohl als Schalkragen-Cardigan als auch als seitlich geknöpfte Strickjacke tragen kann (in Grau oder Rosé). Bilder in der Galerie:













Über Merinowolle
Materialkunde: Merinowolle stammt von Merinoschaf. Damit fällt sie auch unter die Kategorie "Schafwolle" oder "Schurwolle", ist aber weniger kratzig als die meisten anderen (ausgenommen Cashmere, was auch Schurwolle ist). Sie ist gleichmäßig lang, stark gekräuselt, leicht, elastisch und besonders weich. Durch ihre isolierende Eigenschaft ist sie für schnell frierende Menschen ein Segen! Außerdem neutralisiert sie menschlichen Schweiß auf natürliche Weise und dauerhaft, weshalb man in so einer Kleidung tagelang unterwegs sein kann (z.B. auf dem Berg), ohne die Wäsche wechseln oder waschen zu müssen. Merinowolle wärmt auch dann, wenn man darin schwitzt, da sie Feuchtigkeit besonders gut aufnehmen kann und nach außen ableitet. Es entsteht sogar Wärme, wenn Merinofasern Wasser aufnehmen! Sie können fast ein Drittel des eigenen Gewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, wobei eine sogenannte Absorptionswärme entsteht: Beim Aufeinandertreffen der Faser- und Wassermoleküle wird Energie freigesetzt.
Das Merinoschaf kommt ursprünglich aus Nordafrika. Auch heute noch findet man es in Marokko. Aber die Merinowolle, die wir heute tragen, stammt vor allem aus Südamerika (z.B. aus Patagonien), aus Neuseeland und Australien. Die Hauptbezugsquelle für Merinowolle weltweit ist Australien.
Größter Feind der Merinowolle: der Klettverschluss. Ich habe mir gerade mit dem Klettverschluss meiner Daunenweste eine unschöne Pillingstelle in mein geliebtes Merinokleid von Tory Burch gemacht. Sieht man aber nur, wenn man's weiß. Und natürlich ist auch der Mottenfraß – wie bei allen Wollprodukten – eine Kehrseite. Wenn man seine Kleidung aber immer gut lüftet und regelmäßig wäscht (Wollwaschmittel), dann ist man auf der sicheren Seite.

Photo Credit: COS, Zara, Hessnatur
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