Winter 2017/18: die Modetrends aus Mailand
Kathrin Bierling

Winter 2017/18: die Modetrends aus Mailand

Das Modepublikum zieht nach Paris zur abschließenden Modewoche für die Herbst/Wintersaison 2017/18 weiter. Barbara rennt hier schon von Termin zu Termin und ich fasse derweil zusammen, was uns Mailand bot. Und: Was jetzt auf die Einkaufsliste kommt (z.B. die dunkelroten Overknee-Stiefel von Prada).

Die Zukunft liegt auf unseren Schultern

Die meisten Modezitate für die kommende Kaltjahreszeit stammen aus den 1940er- und 1980er-Jahren. Beide Jahrzehnte sind der starken Frau gewidmet und ihrer starken Schulter. In den Vierzigerjahren räumt sie als Trümmerfrau in Puffärmeln das zerbombte Deutschland auf oder erobert als Diva mit Schulterpolstern die Filmfabrik Hollywood. Die ausstaffierten Schultern kommen später in den 80ern wieder auf. Dieses Mal nicht mehr in weißem Satin, sondern in grauem Nadelstreif, denn jetzt gilt es nicht die Bühne, sondern den Chefsessel zu erobern. „Powerdressing" oder „Dress for Success" nannte man das. Das hat nur bedingt funktioniert (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung: „Frauen waren auch im Jahr 2015 in den Vorständen der 200 größten Unternehmen (außerhalb des Finanzsektors) stark unterrepräsentiert: Es gab dort 15 Mal so viele Männer wie Frauen."). Da müssen wir noch mal ran. Die Zukunft liegt auf unseren Schultern, damit sie darauf nicht zu schwer lastet, brauchen wir Polster, finden die Designer:

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Schöne „Power Shoulder" von Annakiki

Kleider

Bottega Veneta

Tomas Maier, deutscher Chefdesigner von Bottega Veneta, zeigt eine sich fein gemachte Frau der Vierzigerjahre, bzw. morphte diese mit dem Hollywoodglam aus der Zeit. Das Ergebnis: Unsere neue Vorstellung von einem filmreifen Work- & Cocktaildress.

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Prada & Co.

Nicht ganz so elegant wie bei Bottega Veneta, aber dafür auch nicht so aus der Zeit gefallen (so gern ich eine Bottega Veneta-Frau wäre!), erscheinen die 24-Stunden-Kleider bei Miuccia Prada oder Fausto Puglisi. Meine absoluten Favoriten sind aber die Lederkleider von Aquilano.Rimondi und Tod's, genauso wie die Shirt-Midirock-mit-Schlitz-Kombinationen von Salvatore Ferragamo – der neue Chefdesigner Fulvio Rigoni macht einen fantastischen Job und zeigt die raffinierteste Form des Paperbag-Stils.

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Das stärkste Accessoire

Bei Missoni gab es pinkfarbene Pussyhats nach dem Vorbild des Women's March: Pussyhat Project >>>. Das war eine schöne Aktion von Angela Missoni, die von einer weniger geglückten Kollektion ablenkte. Nach der Show liefen alle – das Publikum, die Models und die Veranstalter –gemeinsam mit den rosa Missoni-Mützen und gegen Donald Trumps sexistische Aussage von 2005: „Grab her by the pussy". Die pinkfarbenen Katzenohren sollen auf das Wort „Pussy", das man auch mit Katze übersetzen kann, anspielen.

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Der pinkfarbene Pussyhat von Missoni

Man kann von Missonis Kollektion halten, was man will, aber die Aussage der Mützen ist eine überzeugendere (vielleicht auch, weil neuere) als die der vielen Powersuits. Auf anderen Laufstegen wurden Silberrücken-Sakkos (wie wir sie von Vetements kennen) unzähligen, zierlichen Models übergeworfen, aber dieses männliche Attribut als Zeichen für Stärke kann jetzt auch mal abgelöst werden.

Jacken

Man nehme eine Biker- oder Fliegerjacke mal 1,8 und schon hat man die Jacke 2017. Dass Jacken überdimensioniert werden, kündigte die vergangene Herbst/Wintersaison schon an: riesige Krägen und Wattierungen, die das Michelin-Männchen fast schlank wirken lassen im Vergleich. Nun, das geht so weiter und jetzt möchte ich auch mitspielen. Die verschiedenen Modelle:

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Die 80er-Jahre grüßen unverblümt

Wir haben es verdrängt, aber es holt uns ein. Damals stopfte man sich weite Hosen für den Pumpeffekt in die Stiefel – habe es jetzt zu Fasching wieder ausprobiert und geliebt. Agnona zeigt es auch auf dem Laufsteg, sogar mit Wadenwärmern! Die breitschultrigen Nadelstreif-Blazer gab es, wie erwähnt, zuhauf, aber auch solche, die auf halber Höhe abgeschnitten sind, also die Spenzerjacke, wie sie Yves Saint Laurent in den 80ern zum ersten Mal zeigte und sein Nachfolger Anthony Vaccarello auch wieder für den Sommer 2017. Röcke waren kurz und eng oder weit und aus Leder. Hosen waren eng, schwarz und hoch geschnitten (der 90er-Leggingvorläufer kam von Jean Paul Gaultier) oder karottig und dabei auch gern aus Leder. Auch der Paperbag Style (langer, umgekrempelter Hosen- oder Rockbund) stammt aus der Zeit. Und viele trugen ihre Outfits komplett aus Leder.

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Inflationär: Rote Overknee-Stiefel

1990 kam „Pretty Woman" in die Kinos – im März in den USA und im Juli in Deutschland. Erst anschließend konnten sich Overknees modisch durchsetzen. Damals trug man sie am liebsten über einer schwarzen Legging und zu Oversize-Sweatshirts, deren großer Ausschnitt oft eine nackte Schulter zeigte. Aktuell sehen wir Overknees vor allem in beigefarbenem oder schwarzen Veloursleder, mit mittelhohem Absatz und von Stuart Weitzman auf der Straße. Rote Overknees, wie z.B. von Isabel Marant oder Zara, sieht man freilich nicht so oft, nur im Sale. Dennoch möchten es die Designer noch einmal wissen: Allein in Mailand zählte ich zehn Designer, die ihre Models damit über den Runway schicken, darunter auch Karl Lagerfeld für Fendi und Rhodolfo Paglialunga für Jil Sander. Überzeugend ist vor allem und wieder einmal Miuccia Prada mit ihrem dunkelroten, fast flachen Modell. Alle Schuhe in der Galerie:

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Schönste Farbkombinationen

Manche Designer haben ein Händchen für Farbkombinationen, wie es sonst nur die Natur hat. Unter den Besten befinden sich Veronica Etro, Tomas Maier von Bottega Veneta und Tommaso Aquilano und Roberto Rimondi von Aquilano.Rimondi.

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Photo Credit: Catwalkpictures

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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