Die neue deutsche Vogue
Kathrin Bierling

Die neue deutsche Vogue

Ab morgen gibt es eine komplett überholte deutsche Vogue. Für Modepilot-LeserInnen dürfte es kein Geheimnis sein, dass damit ein langer Wunsch für mich in Erfüllung geht (>>>).

Bislang ist vor allem das bahnbrechende Cover bekannt. Bahnbrechend, denn es befindet sich zum ersten Mal eine Rapperin auf der deutsche Vogue! Und noch dazu handelt es sich um eine deutsche Rapperin: Badmómzjay. Die meisten, klassischen Vogue-LeserInnen können vermutlich nicht einmal eine deutsche Rapperin nennen. Es wurde also Zeit.

Die neue deutsche Vogue

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Rapperin Badmómzjay auf dem Cover der ersten Vogue von Kerstin Weng

Als ich das Cover bei Kerstin auf Instagram sah, googelte ich sogleich Videos von Badmómzjay. Und dann sah ich mir sieben oder acht ihrer Musikvideos hintereinander an, alle bis zum Schluss. Wenn das das Cover allein schon mit mir macht, wie sieht es dann erst mit dem Rest des Heftes aus?! Geht hier gerade der Traum vieler (potentieller) LeserInnen in Erfüllung: eine deutsche Vogue am Puls der Zeit?

Endlich wieder eine deutsche Vogue, die inspiriert.

Natürlich kann ich zum Inhalt noch nichts sagen. Aber Cover und Titelzeilen sind schon einmal vielversprechend. Und die neue Chefredakteurin Kerstin Weng auch. Denn sie ist eine Vollblutjournalistin. Wer der ehemaligen Süddeutsche-Autorin, Cosmopolitan- und InStyle-Chefredakteurin auf Instagram folgt, weiß, dass sie keine heiße Luft bläst; dass sie sich stets Mühe gibt, das zu zeigen und zu besprechen, was ihr wirklich nahe geht. Sie ist eine Frau mit Haltung und ihr Umfeld besteht aus Frauen und Männern mit Haltung und daher denke und hoffe ich, dass sich auch hinter der Titelzeile Haltung verbirgt.

Mir hat die deutsche Vogue (und auch vergleichbare Magazine) nie genug Stellung bezogen. Und damit meine ich nicht die Interimszeit von Stephanie Neureuther. Ich spreche natürlich von der jahrzehntelangen Durststrecke zuvor. Als Meinungsstücke von Interviews mit Schauspielerinnen verdrängt wurden, die im Speeddating-Modus anlässlich ihrer Coty-Duftlancierung in einem Hotelzimmer geführt wurden. Oder als das Britney Spears-Parfum (Elizabeth Arden), nach Klostein riechend, 2004 als Shoppingtipp abgebildet wurde. Da bestellte ich mein Abo ab. Aber der Verlag setzte ja eh schon auf das Geld von Coty, LVMH & Co. und nicht auf jenes vom Leser. Ein bisschen wird auch Kerstin den Spagat machen müssen. Aber sie liebt vor allem den Leser und Inhalte und ich freue mich auf inspirierende Seiten.

Und, weil intelligente Menschen oft auch witzig sind, werden wir vielleicht wieder einmal lachen beim Blättern eines Modemagazin und zwar nicht − wie in meinem Fall lange − aus Überheblichkeit. Dass Kerstin lustig ist, kann man übrigens in meinem Podcast hören und auch, dass sie gern Vintage kauft: Das trägt man jetzt so >>>

In ihrer ersten Ausgabe ist nicht so viel Lustiges drin, sagt sie, aber eine launige Modekolumne von Patrick Pendiuk, dem sympathischen Redakteur, der von GQ Online kam.

Hier geht es zum Vogue-Interview mit Badmómzjay, das Lena Elster führte >>>. Lena war übrigens meine erste und beste Praktikantin bei Fivetonine/WirtschaftsWoche damals, das war 2006.

Photo Credit: Vogue

Modepilot
Modepilot ist Deutschlands erster Modeblog. Mit seiner Gründung in 2007 war und ist er Vorreiter der unabhängigen Mode-Berichterstattung. Noch heute wird die Seite leidenschaftlich von Mitgründerin Kathrin Bierling geführt. Sie ist eine ausgebildete und erfahrene Journalistin, die zunächst bei der Financial Times lernte und arbeitete und dann einige Jahre bei der WirtschaftsWoche beschäftigt war, bevor sie die Seiten Harpersbazaar.de, Elle.de und InStyle.de verantwortete. An Modepilot liebt sie, dass sie die Seite immer wieder neu erfinden muss, um am Puls der Zeit zu bleiben. Worin sie und ihre Autoren sich stets treu bleiben: Den Leser ernst nehmen, nicht sich selbst.

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